Kutna Hora

Das Beinhaus

Können Sie sich eine bizarrere Ausschmückung vorstellen, als einen aus allen Menschenknochen zusammengestellten Kronleuchter oder eine Dekoration aus Menschenschulterblättern und Hüften? Es ist ein seltsamer Ort. Fast jeden Tag werden Hunderte von Skeletten mit dem Bus hierher gebracht, die hier neugierig rascheln und erstaunt ihre elegant geordneten Kollegen anstarren. So sieht es unter dem Röntgen der Ewigkeit aus. Das Beinhaus ist ein unikat.

Das BeinhausDie Gründung von Kostnice ist mit dem Namen des Aptes Heidenreich verbunden, der sich im 13. Jahrhundert nach Jerusalem begab, woher er die Handvoll vom heiligen Boden brachte. Während einer feierlichen Zeremonie versträute er damit den hiesigen Friedhof und verwandelte ihn dadurch in einen vom Wunder erfüllten Ort. Sedlec wurde zu einem von vielen Wanderern ausgesuchten Ziel und sogar Gläubige aus Polen, Bayern und Belgien ließen sich hier bestatten. In Sedlec begraben zu sein hieß nämlich der Auferstehung näher zu kommen und es ist kein Wunder, dass es für einen Platz auf dem Friedhof mehr Interessenten gab. Zu den hiesigen Verstorbenen kamen noch weitere 30 Tausend von Pestopfern und während der Hussitenkriege viele Hussiten. An Materil für die Dekoration fehlte es daher nicht.

Die Knochen wurden schon im 16. Jahrhundert als Verzierung benutzt, aber die endgültige Gestaltung gab ihm erst der barocke Architekt Jan Blažej Santini. Er nutzte die Bauverteilung und hieb seine alegorische Bedeutung hervor. Über die Pyramiden, in denen sich mehr als 40 tausend Knochen befinden, setzte er das Reich Gottes symbolisierende Kronen und in die Mitte des Beinhauses stellte er vier Obelisken, die so viel wie Lichtstrahlen in der dunklen Nacht bedeuten – die Hoffnung. Heute hört sich das wie eine schwer zu glaubende Geschichte an. Die Hoffnung inmitten des Friedhofs zu lehren ist absurd. Die Sedlecer Friedhofskirche ist aber ein Das BeinhausOrt, wo man auf ein Wunder wartet und der ganze Bau ist als seine Alegorie gewollt. Über dem Beinhaus finden Sie eine den Sieg gegen Tod symbolisierende Kapelle und die geschmückten Verstorbenen unten warten eigentlich nur auf ihre glorreiche Auferstehung von den Toten. Der heilige Boden, der der Apt Heidenreich brachte, stammte aus dem Ort, wo Christus gekreuzigt wurde und wie die Christen glauben, ist er derjenige, der den Tod besiegt hat. Sich in der Nähe des geheiligten Bodens zu befinden war gleich, wie sich Christus zu nähern und Christus nah zu sein war das gleiche wie der Erlösung näher zu kommen.

Wenn man sich die Girlanden aus Totenköpfen und Schienbeinen anschaut, denkt man vergeblich nach, wie diese Auferstehung aussehen sollte. Holt sich das Bein vom Kronleuchter die Hüfte, die unter der Decke hängt? Schon im Mittelalter und Barock hatten die Menschen damit Probleme und reiche Stadtbürger, die unter dem Fußboden begraben sind, ließen sich im Ganzen begraben. Für die Ausschmückung wurden Arme und Namenlose genutzt. Die Vorstellungen über die auferstandenen Toten waren oft ganz unterschiedlich, aber etwas hatten sie doch gemeinsam, es waren bloß Gleichnisse und Andeutungen. Die Auferstehung selbst und seine Form ließen sie an Christus.

Das BeinhausDie letzten Baubearbeitungen führte im 19. Jahrhundert Holzschnitzer František Rint, der der Autor vom Knochenleuchter, Schwarzenbergs Wappen u. a. ist. Die Wände und Gewölbe schmückte er mit Totenköpfen mit gekreuzten Armen aus und an manchen Stellen hängte er die Knochen frei im Raum auf. Einerseits gehört seine Arbeit im ganz Beinhaus zu der raffiniertesten, aber andererseits widersteht sie etwas der Bausymbolik. Die Symbolik des Todes war eben wichtiger als die Symetrie der Kapelle oben. Nach den Rints Umbauten wirkt es im Beinhaus ein bisschen, als ob man unter dem Friedhof Weihnachten feiern würde. Im Beinhaus wird aber die Auferstehung gefeiert.

Info

Das Beinhaus ist täglich geöffnet:
November - Februar 9 - 16
April - September 8 - 18
Oktober, März9 - 17
geschlossen nur am 24. 12.

Eintritt zum 31. März 2013
Erwachsene 60,- Kè
Studenten, Kinder 40,- Kè 

Eintritt ab 1. April2013:
Erwachsene 90,- Kè
Studenten, Kinder 60,- Kè

KOSTNICE SEDLEC
Zámecká 127, 284 03 Kutná Hora - Sedlec
telefon: +420 326 551 049
e-mail: ic@sedlec.info

Pension Sedlec
Preis ab: 8.8 € Person/Nacht
Hotel Kréta
Preis ab: 19.2 € Person/Nacht
Hotel Zlatá Stoupa
Preis ab: 30.0 € Person/Nacht
Hotel Opat
Preis ab: 53.0 € Person/Nacht
Pøidat hotel 
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